FERIEN: Teil 3 Songkran - Thai Neujahr

Nach meinen vier mehr als erfolgreichen Wochen auf Reisen, kehrte ich am 12.4., einen Tag vor Beginn der thailändischen Neujahrsfeiern (13.-15.4), wieder zu meiner Gastfamilie zurück. Ich hatte zwar bis dahin schon einiges über das sogenannte „Songkran Festival“ gehört und das es ein riesen Spaß sein sollte, aber wie es nun tatsächlichen sein würde, davon hatte auch ich nicht den geringsten Schimmer, aber von vorne.....
Am Morgen des 13. durfte ich mich dann erst mal in eins der hässlichsten Outfits stecken, was ich je in meinem Leben gesehen habe (ungelogen! Und es wird keine fotos geben!!) und ich dachte nur: „Na dass kann ja heiter werden!“. Wir fuhren dann in das nächste größere Dorf und schon aus der Entfernung wo wurde mir klar, das es doch ein ganz interessantes Spektakel werden würde. Die Straßen waren voll von Menschen (meist in nicht weniger hässlichen Kostümen) und es wurde gesungen, getanzt und mit Wasser gespritzt. Wir mussten dann als erstes in einer Parade mitlaufen, die durch den ganzen Ort ging und die recht langweilig war, da sich keiner traute die Leute in der Parade nass zu machen. (Dabei war es soooo schrecklich heiß und ich wünschte mir nichts sehnlicher als nass gemacht zu werden. Immerhin reden wir hier von guten 40°C im Schatten und wir liefen in der Sonne!) Der Zug endete dann am örtlichen Tempel, wo schon ganz viele Stühle und eine Bühne aufgebaut worden waren. Es gab ein kurzes Programm, aber der eigentliche Höhepunkt war das „Wassergießen“. Dabei setzten sich ein paar Mönche und alle Dorfältesten in einen großen Stuhlkreis und jeder ging mit einer Schüssel Wasser herum und goss jedem der Sitzenden ein wenig Wasser über die Hände und wünschte ein frohes neues Jahr. Dafür wurde man zurück gewait und bekam so den Segen der Mönche und Ältesten für das neue Jahr. Natürlich war ich dabei wieder ein Blickfang und vor allem die Älteren Leute, die in ihrem Leben wahrscheinlich noch nie mit einem Ausländer gesprochen hatten freuten sich riesig als ich ihnen สวัสดีปีใหม่, ein frohes neues Jahr wünschte. Als dann alles vorbei war wurde für die Dorfbewohner noch ein Feuerwehrauto aufgestellt und der Wasserschlauch angestellt und alle tanzten gemeinsam im „Regen“. Wir fuhren allerdings glücklicherweise nach Hause und ich konnte aus dem schrecklichen Kostüm raus. Am Nachmittag fuhr ich dann mit meinen beiden kleinsten Geschwister und meiner großen Schwester, die das Auto fahren musste, wieder zurück ins Dorf und wir kauften uns Wasserpistolen. Damit setzen wir uns dann ins Auto und  beschossen andere Leute durch das ein spaltbreit geöffnete Autofenster. Komischerweise wurden auch wir klitschnass, aber bei den Temperaturen, kein Problem. Wir trafen dann zufällig meinen Onkel, der einen mini Laster mit offener Ladefläche hatte und zusammen mit ein paar anderen kleinen Kinder gings durch den ganzen Ort Leute nass machen. Und wiedereinmal durfte ich erleben, was es heißt der einzige weiße zwischen Hunderten Thais zu sein. Es war wie eine Königsdisziplin für die Thais mich nass und weiß zu machen (Mit Farbe wurde nämlich auch entweder geschmissen, oder sie wurde einem gleich ins Gesicht geschmiert). Völlig durchgeweicht und komplett weiß gingen wir dann bei meinem Onkel erst mal mit all unseren Klamotten baden um die Farbe wieder runterzukriegen. Am Abend saß dann noch die ganze Familie zusammen und es wurde, wie immer in Thailand, gegessen, gegessen und noch mehr gegessen.
Am nächsten Morgen gings dann mit meiner gesamten Familie in den Norden Thailands, wo meine Gastoma und Opa wohnen. Die Fahrt dauerte fast den ganzen Tag und am Abend war ich froh, als es hieß, wir gehen ein bischen in die Stadt um Abendbrot zu kaufen. Natürlich saßen wir wieder auf der Pick-up Ladefläche, was ein Fehler war ;-), denn nach nur ein bischen Essen einkaufen waren wir klitschnass und vor allem ich, auch in allen Farben eingesaut. Aber wir schworen „Rache“, die wir am nächsten Tag auch einlösten...
Am nächsten Morgen luden wir also zwei riesige Regentonnen mit Wasser UND Eisblöcken auf unseren Pick-up und machten uns auf den Weg. Erst ging es kurz zum Tempel, denn auch die Buddhastatuen sollten ein bischen Wasser abbekommen und erst danach zogen wir richtig los. Meine ganze Familie stand auf der Ladefläche, sogar meine Gasteltern die ich sonst höchsten 5min am Stück sehe, und wir fuhren Richtung Innenstadt. Schon auf dem Weg dahin lieferten wir uns einige „Gefechte“ mit anderen Pick-up-Fraktionen und waren so schon klitschnass als wir am eigentlichen Ort des Geschehens ankamen. (Zur Erklärung: es gibt zwei Fraktionen. Die Pick-up-Fraktion und die vorm-Haus-steh-Fraktion. Die Pick-up Fraktion hat Wasser geladen und fährt durch die Straßen um alle Leute von oben und im vorbeifahren nass zu machen und die vorm-Haus-steh-Fraktion, steht wie zu vermuten vor ihren Häusern und macht alle Leute nass die vorbeikommen, auch mit Wassereimern, aber gerne auch mit Wasserschläuchen. Außerdem haben die Leute die zu Hause stehen den Vorteil, das sie ihre eigene Musik hören können, im Schatten stehen und was zu essen haben.) Wir fuhren also durch die ganze Stadt und jeder der unser Wasser abbekam gab erst mal ein erschrecktes Quicken von sich, denn es war wirklich eisigkalt. Man muss dazu sagen, es gibt drei Sorten von Wasser. Einmal warmes Wasser aus der Leitung, wohl das angenehmste, dann kaltes Wasser mit Eisblöcken, schon unangenehmer, und als letztes buntes Wasser, also mit allen Farben versetztes Wasser, wohl das schlimmste. Zusätzlich wurde noch mit weißen Puder um sich geworfen und ich war wieder ein beliebtes Ziel, so dass ich minütlich, entweder weiß, bunt, vor Kälte zitternd oder wegen warmen Wasser lächelnd anzufinden war. Auf unserem Weg durch die „Partymeile“ bei der an jeder Ecke andere Musik dröhnte und Menschen tanzten, hielten wir dann noch ab und zu bei Verwandten an, um frohes neues Jahr zu wünschen, etwas zu essen angeboten zu bekommen und vor allem auch unsere Wasserkanister nachzufüllen. Nach über sechs Stunden waren wir dann nicht nur tot müde, sondern auch mega hungrig und vor allem ich, auch ganz schön rot. (Leider nicht von abwaschbarer Farbe sondern von 6h Sonne.) Aber es war einfach ein riesen Spaß und wohl nach meinem „richtigen“ und chinesischen Neujahr hier, das mit Abstand coolste.
Das ganze ging also offiziell 3 Tage lang, aber in der Provinz meiner Gastgroßeltern noch eine Woche länger, und jeden Tag waren die Straßen voller tanzender und mit Wasser werfender Menschen, von Kleinkinder bis zu alten Omis und Opis, und jeder genoss die ausgelassene Stimmung nach den letzten doch ein wenig kritischen Wochen durch die Demonstrationen. Außerdem war jeder einfach nur froh über die unfreiwilligen Duschen da es ja in letzter Zeit auch immer heißer und heißer geworden war. Natürlich war es auch jede Menge Wasserverschwendung, aber bei dem Spaß denken wir da mal einfach nicht dran ;-)
 
22.4.10 10:08
 


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