Ein Sportfest einmal anders

Seit einem Jahr wurde drauf gewartet, seit Monaten wurde vorbereitet, seit Wochen gab es kein anderes Thema mehr und seit Tagen herrschte der Ausnahmezustand.

Die Rede ist vom alljährlichen Sportfest meiner Schule, was ein bischen größer aufgezogen wird, als man es aus Deutschland kennt.

Die Grundlage dieses Großereignisses ist die grundsätzliche Einteilung aller Schüler der Schule in vier Teams. Es gibt rosa, grün, rot und blau und jedes dieser Farbteams ist zusammen gestellt aus Klassen aller Altersstufen. Den Vorsitz übernehmen jeweils die ältesten, also die 12. Klassen, welche so mit die Verantwortung für ca. 250 Schüler übernehmen denn Lehrer trifft man an diesen Tagen selten.

Die Vorbereitungen begannen schon vor meiner Ankunft hier, die ja nun auch schon wieder einige Zeit her ist, denn angefangen hat das ganze mit dem wöchentlichen einsammeln von Geld von allen Schülern. Der nächste Schritt waren dann die neuen T-shirts, denn um jedes Team auch von den anderen unterscheiden zu können bekam jeder das farbig passende Shirt und auch die jüngeren wurden von denn älteren unterschieden. Denn die ältesten bekamen den Zusatz „Staff“ damit man auch immer wusste an wen man sich mit Problemen und Fragen wenden konnte. Anschließend begannen die richtigen Vorbereitungen die nicht nur aus sportlichen Übungen bestanden, sondern auch aus dem Einstudieren der Cheerleader Choreographie. 2 Wochen vorher fiel dann täglich die letzte Stunde aus um zu üben und vorbereiten zu können, und am 19.11. begann dann das Spektakel.

Der ganze Schulhof war in pink, grün, blau und rot getaucht, denn sogar die Lehrer gehörten den Teams an. Nach der Eröffnungszeremonie wurde sich dann in Fußball, Basketball, Volleyball, Boule, Dakloh (Thai-Ball-Spiel) und vor allem Cheerleading gemessen. Jede Mannschaft musste gegen jede andere Farbe antreten. Aber bei all den Wettbewerben ging’s neben dem sportlichen Aspekt vor allem um das anfeuern. Es wurde geschrieen, getanzt, getrommelt und mit selbstgebastelten Puscheln wedelt. Jeder gab sein bestes und ich kann von meinem rosanen Team behaupten, das wir zwar sportlich eine Niete waren, aber schreien konnten wir am lautesten. Am 20.11. ging’s dann in die entscheidende Runde in den Mannschaftssportarten, denn die Finals standen an. Alle Mannschaften liefen noch mal zu Höchstleistungen auf, nur leider hatte mein Team schon bald wenig zu tun, da wir es leider nicht sehr oft in die Endrunde geschafft hatten. Aber darum ging es auch kaum, denn das zugucken bei den entscheidenden Spielen war einfach toll, da im wahrsten Sinne des Wortes bis zum umfallen alles gegeben wurde. Als dann die Sieger feststanden war endlich erst mal Wochenende, aber damit begann der größte und anstrengenste Teil der Sporttage!

Normaler Weise fahre ich ja bekanntlich jedes Wochenende nach Bangkok, aber dieses Wochenende bildete da eine Ausnahme, denn ich konnte meine Freunde einfach nicht im Stich lassen. Das ganze Wochenende verbrachten wir in der Schule von morgens bis abends, und das alles, wohl gemerkt, freiwillig, kein einziger Lehrer war anzutreffen, nur euphorische Schüler die die jeweils anderen Team-Mitglieder schon mal gerne mit Stichelein provozierten.

Der Hauptfaktor an diesen beiden Tagen war natürlich der Spaß, ganz klar, welcher Schüler wäre nicht mal gerne Herr über die Schule und würde diese nicht mal gerne als Saustall zurücklassen?! Aber vor allem wurde gemalt und gebastelt. Es entstanden Spruchbänder, Plakate und Kostüme, denn der wichtigste Teil eines Thaisportfestes ist die Parade. Dabei hat jedes Team die Möglichkeit, völlig unabhängig von sportlichen Aspekten, sein Können zu zeigen. Dazu werden Schüler in Kostüme verschiedenster Art geworfen. Mein rosa Team, was wohl gemerkt am Ende die Parade gewonnen hat, hatte sich dieses Jahr Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben und so saßen wir stundelang an der Fertigstellung von Kostümen aus Plastiktüten und Trinkpäckchen. Am Sonntag Abend gingen wir dann ziemlich erschöpft aber glücklich nach Hause, wobei ich wieder bei einer Freundin schlief, denn am Montag Morgen musste ich um 4°° Uhr in die Schule um mich selbst und die anderen zu schminken und anzukleiden. Es war eine tolle Stimmung auch wenn es so früh war, denn alle waren total aufgeregt und alle arbeiteten Hand in Hand, egal ob Junge oder Mädchen, 7. oder 12. Klasse. Ihr werdet lachen, aber das Hauptkommando in unserer Gruppe übernahm an diesem Morgen ein Schwuler, welcher auch die Hauptverantwortliche war im Mädchen schminken und beraten. Nach dem Sonnenaufgang füllte sich dann langsam die Schule und um 9°° Uhr begann die Parade. Vorne weg unser Schulorchester, dahinter die Fahnenträger und dann die einzelnen Farbteams. Jeder hatte sein bestes gegeben, und so gab es Schülerinnen die auf Sänften getragen wurden, es gab stolze kleine Mädchen in Thai-Kostümen welche zum ersten mal geschminkt vor Leute traten, es gab Schilder-Träger und traditionelle Thai-Figuren in atemberaubenden Kostümen. Wir liefen alle ins Stadium ein und nach tausenden Fotos und nachdem der Schulleiter noch ein paar nette Worte gesagt hatte war der ganze Aufriss auch schon wieder vorbei. Alle rannten schnell wieder in die Schule um sich umzuziehen, um den darauf folgenden Teil nicht zu verpassen. Denn Anschließend wurde getanzt, vom traditionellen Thai-Tanz bis zur modernen Choreographie, und das alles auch wieder in tollsten Kostümen. Jedes Team hatte dabei die Möglichkeit einen Tanz aufzuführen, natürlich begleitet von ihren schreienden Mitgliedern, welche in der Zwischenzeit auf ihren jeweiligen Tribünen Platz genommen hatten. Im Laufe des Tages begannen dann die Einzelwettbewerbe wie Laufen, Hochsprung, Weitsprung, Diskuswurf und Kugelstoßen. Es ging dabei weniger um den Sport als viel mehr um die rufenden und tanzen Teams auf ihren Tribünen. Es gab Schlachtgesänge, Fähnchen wurden geschwenkt und natürlich galt es bei all diesen Aktionen die Jurie zu beeindrucken die für all das am Ende Pokale vergeben würde. Am späten Nachmittag und nach einigen umgekippten Schülern gab es dann wieder ein paar nette Worte der Verantwortlichen, welche sich so sehr zurück gehalten hatten die letzten Tage und dann wurden die Pokale verliehen. Unter wahnsinnigem Applaus für jede Mannschaft, gab es Trophäen für Sport, für Chearleading und für die Parade. Insgesamt müssen es wohl so um die 20 gewesen sein und bei jeder einzelnen dieser Ohrenbetäubende Lärm. Um 17°° Uhr konnte ich dann endlich nach Hause, aber für die meisten anderen war noch lange nicht Schluss, da ja alles auch noch wieder aufgeräumt und abgebaut werden musste, und natürlich durfte auch die anschließende Party nicht fehlen und so könnt ihr euch sicherlich vorstellen, wie viele Schüler am darauf folgenden Tag zur Schule kamen............
13.12.09 05:56
 


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